Kommentar

Endgültig Favorit

Archivartikel

Alexander Müller zu Klopps Höhenflug mit Liverpool

 

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie. In seiner Dortmunder Spätphase musste sich Jürgen Klopp vorhalten lassen, sein auf Gegenpressing und schnelle Gegenstöße setzender Stil sei verglichen mit der ästhetischen Ballbesitzphilosophie des damaligen Münchner Trainers Pep Guardiola zu eindimensional. Das war schon damals mindestens diskutabel – und wirkt seit Mittwochabend sogar lächerlich. Mit dem furiosen 3:0-Erfolg im Viertelfinal-Hinspiel gegen den von Guardiola angeleiteten designierten englischen Meister Manchester City sind Klopps Liverpooler endgültig zu einem ernsthaften Favoriten auf den Gewinn der Champions League avanciert.

Die Parallelen zu den erfolgreichen Dortmunder Jahren sind unübersehbar. Damals formte Klopp um Mario Götze, Robert Lewandowski oder Marco Reus eine kaum zu stoppende Offensive, die den BVB zur zwischenzeitlichen Nummer 1 in Deutschland und dem spannendsten Team Europas machte. In Liverpool heißen die Protagonisten des Aufschwungs jetzt Mohamed Salah, Sadio Mané oder Roberto Firmino – seinen mitreißenden Erlebnisfußball hat Klopp einfach auf die Insel importiert.

Der deutsche Trainer schenkt den Fans des Kult-Clubs aus Nord-England nach etlichen entbehrungsreichen Jahren wieder magische Nächte an der legendären Anfield Road. Und Guardiola, der sich schon zu Bayern-Zeiten am BVB-Stil regelmäßig die Zähne ausbiss, entwickelt langsam aber sicher eine echte Klopp-Phobie. Jetzt muss sich der Katalane vorhalten lassen, er finde keine funktionierende Strategie gegen den rasanten Überfallfußball Kloppscher Prägung. So ändern sich die Zeiten.