Kommentar

Endlich Ruhe

Archivartikel

Marc Stevermüer zum Ende der Wechselfrist

Die Gerüchteküche brodelte und die Spekulationen wollten kein Ende nehmen. Wechselt Jerome Boateng doch noch zu Paris? Welchen Stürmer holt Dortmund? Klappt der Wechsel von Sebastian Rudy zu Schalke? Diese Fragen beherrschten die Schlagzeilen selbst nach dem Bundesliga-Start. Oder anders ausgedrückt: Der Sport rückte in der ohnehin schon bizarren Parallelwelt Profi-Fußball noch mehr in den Hintergrund, stattdessen ging es um „Transferscheiße“, wie es Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke einmal treffend formulierte. Doch das hat jetzt endlich ein Ende – und das ist gut so. Denn es ist traurig genug, dass selbst zu Beginn des zweiten Bundesliga-Spieltags noch der Transferschluss die Themen setzt.

Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, lohnt ein Blick nach England. Von der dortigen Premier League sollte der deutsche Fußball gewiss nicht alles übernehmen, etwas lernen kann er von den Briten dennoch. Auf der Insel endete die Transferfrist vor dem ersten Spieltag, danach konnte niemand mehr in bester Monopoly-Manier investieren. Kurzum: Als der Ball rollte, mussten die Trainer und Manager ihren Job erledigt haben. Eine wohltuende und vor allem auch faire Regelung.

In Deutschland darf hingegen auch nach dem Ligastart eingekauft werden. Plötzlich werden Probleme erkannt, die es vorher angeblich nicht gab. Da stellt man sich schon die Frage, ob die Club-Verantwortlichen die Saisonvorbereitung ihres eigenen Teams verpasst haben. Keine Frage: Das alles ist verrückt und aberwitzig, wird aber gerne mit dem ganz normalen Wahnsinn gerechtfertigt. Verstehen oder gar mögen muss man es trotzdem nicht.