Kommentar

Endlich sauber

Archivartikel

Detlef Drewes über die neuen Vorgaben für die Autoindustrie

Dass Europas Auto-Hersteller mit einem mulmigen Gefühl auf die Beratungen um neue Grenzwerte schauen, ist verständlich. Die inzwischen geltenden Abgas-Werte werden nach einem neuen Standard nicht mehr auf dem Rollenprüfstand, sondern im Alltagsbetrieb auf der Straße erhoben – und liegen dementsprechend höher. Und wer geglaubt hatte, den Ingenieuren würde eine Pause gegönnt, um wenigstens die heute schon geltenden Zielmarken für CO2 aus dem Auspuff zu erreichen, war ein Träumer. Die Umwelt-Politiker der EU wissen, dass sie hohe Ziele festschreiben müssen, wenn die Klima-Versprechen von Paris eingelöst werden sollen.

Vonseiten der Industrie wird man sich strecken müssen, um das, was da kommt, wenigstens einigermaßen einzuhalten. Dabei kämpfen die Autobauer nicht nur mit der EU, sondern auch mit fehlenden Rahmenbedingungen – zum Beispiel für E-Autos. Denn diese sind immer noch selten, weil die Reichweiten nicht stimmen, Zapfsäulen für alternative Antriebe fehlen und die Autos deshalb zu teuer für die breite Masse sind.

Illusorische Ziele

Sicher, die jetzt im Vorfeld genannten Reduktionsziele von bis zu 75 Prozent sind illusorisch. Dafür gibt es nicht mal im Europäischen Parlament eine Mehrheit, geschweige denn im Kreis der Mitgliedstaaten. Aber die fast schon inständigen Appelle des europäischen Dachverbandes der Autobauer dürften verpuffen. Zu oft und zu lange haben die Umweltexperten unter den Volksvertretern zu spüren bekommen, dass die Hersteller zwar das Blaue vom Himmel versprachen, aber anschließend ihre Modellpaletten mit Fahrzeugen spickten, die weit mehr Klimakiller als erlaubt in die Atmosphäre blasen. Der Hinweis auf die mangelnde Nachfrage nach Autos mit alternativen Antrieben wirkt ebenfalls wie ein Ablenkungsmanöver, weil die Konzerne ihre Image-Kampagnen eben nicht auf ökologischen Autos, sondern auf starken Fahrzeugen aufbauen. Das macht nicht den Eindruck allzu ambitionierten Engagements für neue und klimaschonende Antriebe.

Dabei lässt Brüssel den Herstellern doch ohnehin schon viel Freiraum, um den Schadstoffausstoß zu senken – neben neuer Motorentechnik können auch energiesparende Software-Lösungen zum gewünschten Effekt führen. Nur eines funktioniert ganz sicher nicht: Ein „Weiter so“ wird es bei den Automobilen der nächsten Jahre nicht geben können.

 
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