Kommentar

Enorme Tragweite

Archivartikel

Jan Kotulla zum Verhalten Russlands im Anti-Doping-Kampf

Die Dreistigkeit ist schon atemberaubend. Da wird Russland massenhaftes und staatlich unterstütztes Doping nachgewiesen und das Internationale Olympische Komitee reagiert zöglich. Es dauerte viel zu lang, ehe dem verantwortlichen russischen Labor die Lizenz entzogen wurde. Angesichts des Druckes gelobte man Besserung. Doch das war augenscheinlich nur ein Lippenbekenntnis. Den Whistleblowern des Skandals droht in Russland als Nestbeschmutzer immer noch Haft, sie leben unter Polizeischutz. Dabei hätten die internationalen Verbände, allen voran das Internationale Olympische Komitee angesichts der Tragweite des Falles endlich unter Beweis stellen müssen, dass man es mit dem Anti-Doping-Kampf wirklich ernst meint. Stattdessen hat auch IOC-Boss Thomas Bach die Chance vertan, sich als Aufklärer hervorzutun und deutlich zu machen, dass er nicht der Duz-Freund des Kreml-Chefs ist, wie ihm oft unterstellt wird.

Sollten die Wada-Gremien Mitte Januar das Vorgehen Russlands nicht eindeutig ächten und stattdessen die russische Anti-Doping-Agentur doch wieder zulassen, dürfte der Vertrauensverlust so groß sein, dass sich Wada und IOC davon nur schwer erholen würden. Kontroll-Vorgaben und -methoden müssen weltweit die gleichen strengen Standards erfüllen, sonst wird das System ad absurdum geführt.