Kommentar

Enorme Verbesserung

Thorsten Langscheid über den Radverkehr in der Stadt

 

Der Stadtplan macht es deutlich: Das Netz der Mannheimer Fahrradstraßen wird auch nach dem geplanten Ausbau immer noch ziemlich löchrig sein. Keine zehn Kilometer Fahrradstraße, von einer auch nur annähernd zusammenhängenden Verbindung kann keine Rede sein. Nun dürfen Fahrradstraßen nicht mit Radwegen verwechselt werden - die gibt es natürlich auch und die gesamte Streckenlänge beträgt mehr als 250 Kilometer, das entspricht in etwa einem Fünftel des Straßennetzes im Stadtgebiet.

Die Straßenverkehrsordnung würde es erlauben, Fahrradstraßen komplett ohne Autoverkehr auszuweisen - für Teilstrecken in den Quadraten wäre dies durchaus bedenkenswert. Bei den jetzt angestrebten Umwidmungen geht es aber gar nicht darum, den Autoverkehr zu verbannen. Im Gegenteil: Autofahren bleibt in allen sieben Straßenzügen weiter (fast) wie bisher möglich. Der wichtige juristische Unterschied: Das Fahrrad ist nicht mehr nur gleichranging, sondern es hat in Zukunft Vorrang vor dem Autoverkehr. Gerade dort, wo viele Radfahrer unterwegs sind, wäre das eine enorme Verbesserung ihrer Situation. Dass auch der Autoverkehr von der Umgestaltung profitieren kann, zeigt die gerade fertig gewordene Berliner Straße: Hier wurde für viel Geld die marode Fahrbahn - auch für Autos - erneuert.

Allerdings: Ein paar Schilder und rote Farbe auf die Fahrbahn sind das eine, funktionierende Fahrradstraßen, in denen Autos und Motorräder geduldet sind, etwas anderes. Denn längst nicht jeder Autofahrer scheint zu wissen, wie er sich bei den entsprechenden Verkehrszeichen zu verhalten hat. Hier besteht also noch jede Menge Aufklärungsbedarf.

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