Kommentar

Entscheidende Minuten

Archivartikel

Blut ist ein ganz besondrer Saft“, lässt Goethe seinen Mephistopheles sagen, als dieser Faust in dessen Studierzimmer aufsucht. Klar, dürfte der große Dichter bei seiner berühmten Formulierung keine medizinischen Überlegungen angestellt haben. Gleichwohl bringt das literarisch geflügelte Wort die Einzigartigkeit des Blutes auf den Punkt. Bezeichnenderweise gibt es auch im Zeitalter technischer Innovationen dafür keinen echten künstlichen Ersatz. Ob genügend rote Körperflüssigkeit im Organismus zirkuliert oder nicht, kann, wie jeder weiß, über Leben und Tod entscheiden.

Bekanntlich zählen in der Notfallmedizin Minuten. Die können sich aber bedrohlich summieren, wenn eine dringend erforderliche Bluttransfusion erst nach Erreichen eines Krankenhauses möglich ist. Nicht von ungefähr gilt Verbluten bei schwer verletzten Unfallopfern als die häufigste vermeidbare Todesursache. Umso erfreulicher, dass die DRF Luftrettung im Versorgungsangebot ein neues Kapitel aufschlägt und vorerst zwei ihrer Rettungshubschrauber – zunächst als Premiere in Greifswald, und jetzt auch am Standort in Mannheim – mit Blut-und Plasmakonserven für den Fall der Notfälle ausstattet, um schicksalsträchtige Zeit zu gewinnen. Es ist beruhigend zu wissen, dass mit „Christoph 53“ auch der besondere Saft in die Luft geht. Nicht minder beruhigend wäre freilich, wenn jeder Verkehrsteilnehmer ganz bewusst so fahren würde, dass es erst gar nicht zu schweren Unfällen auf der Straße kommt.

 
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