Kommentar

Entsetzen am Dom

Archivartikel

Alexander Müller zur Verpflichtung von Heldt und Gisdol

Entsetzen, Panik, Fatalismus. Bildet man einen Querschnitt des Echos in der Kölner Fanszene auf die Doppel-Verpflichtung von Markus Gisdol als neuem Trainer und Horst Heldt als neuem Manager, muss man wieder einmal das Schlimmste für den FC befürchten. Doch selbst wer sich die Mühe macht, die typischen rheinischen Gefühlsextreme einmal außen vor zu lassen, kommt zu dem Schluss, dass Köln in einer zweifellos schwierigen Situation zwei sehr fragwürdige personelle Lösungen präsentiert hat.

Aus Gisdols beruflicher Vita ragt die eigentlich unmögliche Rettung von Hoffenheim vor dem Bundesliga-Abstieg im Frühsommer 2013 heraus. Das als „Wunder von Dortmund“ in die TSG-Vereinsgeschichte eingegangene legendäre 2:1 beim BVB am letzten Spieltag, der folgende Klassenerhalt in der Relegation gegen Kaiserslautern. Das bleibt.

Trainer in Köln wurde der Schwabe aber nur, weil Bruno Labbadia und Pal Dardai sich diesen unruhigen Giganten mit seinem unrund aufgestellten Kader verständlicherweise nicht antun wollten. Blieb im Portfolio „Trainer mit Erfahrung im Bundesliga-Existenzkampf“ nur Gisdol übrig, auch wenn der mit seinem hohen Pressing aus der Rangnick-Schule taktisch ein Gegenentwurf zu den stabilitätsbewussten Labbadia und Dardai ist. Der Makel der Notlösung, der nicht zu seinem Fußball passende Kader, dazu der aus alten Hoffenheimer Tagen überlieferte Konflikt mit Kölns Fanliebling Anthony Modeste – unter diesen widrigen Vorzeichen wäre es eine Sensation, wenn Gisdol sein Vertragsende 2021 in der Domstadt erleben sollte.

Ein wenig besser sehen die Perspektiven für Heldt aus, der als ehemaliger FC-Profi und gebürtiger Rheinländer wenigstens ein bisschen Stallgeruch mitbringt. Aber sein letztes Arbeitszeugnis macht die Kölner Fans zurecht skeptisch: In Hannover stellte Heldt eine Mannschaft zusammen, die beängstigend chancenlos den Abgrund hinabrutschte.

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