Kommentar

Erfolge sind rar

Archivartikel

Rolf Obertreis zur Lage bei der Deutschen Bank

Ein Gewinn von 341 Millionen Euro bei Einnahmen von 25 Milliarden Euro ist für die Deutsche Bank mehr als überschaubar. Zum Vergleich: Die Großbank Santander aus dem einstigen Krisenland Spanien hat es im vergangenen Jahr auf einen Gewinn von fast acht Milliarden Euro gebracht. Man sei natürlich noch nicht da, wo man hinwolle, räumt Deutsche Bank-Chef Christian Sewing ein. Doch nicht nur an der Börse ist man skeptisch: Viel Analysten raten zum Verkauf der Aktie.

Erfolge – wenn man sie denn so nennen darf – gibt es bislang bei Stellenabbau und Kostensenkungen. Im eigentlichen Bankgeschäft aber sind sie rar. Deutschlands größtes Geldinstitut mag sich auf einem guten Weg sehen, doch die Bauarbeiten werden vermutlich noch einige Zeit andauern. Dass Vorstandschef Sewing sich offenbar nicht wie manch anderer im Umfeld mit Fusionsgedanken trägt, ist dabei ein gutes Zeichen.

Erst einmal sollte die Deutsche Bank ordentlich aufräumen, sich zukunftsfähig aufstellen und im Bankgeschäft nachhaltig Geld verdienen, statt nur zu sparen und Stellen zu streichen. Zusammen mit der ebenfalls renditeschwachen und selbst mitten im Umbau steckenden Commerzbank würde jedenfalls in absehbarer Zeit kein neues Schwergewicht im Bankensektor entstehen. Dass ein möglicher Zusammenschluss Unsinn wäre, müsste eigentlich auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz erkennen. Würde die Fusion zweier fußlahmer Banken schiefgehen, müsste der Steuerzahler geradestehen. Genau das sollte nach der Finanzkrise 2008 aber nie wieder passieren.

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