Kommentar

Erfolgreich, aber unsicher

Archivartikel

Frank Schumann zum Wechsel an der Daimler-Spitze

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Gemessen an der Bilanz konnte es für Daimler-Boss Dieter Zetsche keinen besseren Zeitpunkt zum Aufhören geben. Im vergangenen Jahr lieferte der Autohersteller unter seiner Führung Rekordwerte bei Absatz, Umsatz und Gewinn – ein beeindruckender Erfolg. Zetsches Leistung als Manager ist umso bemerkenswerter, als er angesichts mauer Ergebnisse bereits angezählt war: 2014 verweigerte die Arbeitnehmerseite im Daimler-Aufsichtsrat eine Verlängerung von Zetsches Vertrag um fünf Jahre, es wurden dann nur drei. Anschließend führte der Vorstandschef Daimler in die Erfolgsspur zurück.

Doch der Wechsel am Steuer zu Ola Källenius erfolgt nicht nur in erfolgreichen, sondern auch in ebenso unsicheren Zeiten. Spätestens in der kommenden Woche wird klar sein, welche Konsequenzen die Bundesregierung den Autokonzernen nach dem Dieselskandal auferlegt. Für Daimler und Co. dürften die Aufräumarbeiten aufwendig und nicht eben billig werden. Und das in einer Zeit, in der sich die Branche eigentlich mit voller Aufmerksamkeit den Zukunftsthemen Elektromobilität und autonomes Fahren widmen sollte. Auf Källenius warten derart große Herausforderungen, dass sich die Frage stellt, ob Daimler beim Führungswechsel nicht den richtigen Zeitpunkt verpasst hat. Eine vorübergehende Doppelspitze Zetsche/Källenius oder ein Übergangschef zwischen beiden wären Optionen gewesen, die Daimler aber verworfen hat – hoffentlich aus gutem Grund.

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