Kommentar

Ernüchterung statt Hoffnung

Archivartikel

Hagen Strauß über Afrika und die deutsche Wirtschaft

Als vor zwei Jahren die Afrika-Initiative gegründet wurde, waren die Erwartungen groß. Man muss konstatieren: Zwei Jahre sind nicht viel, um Investoren für Länder zu begeistern, die mit immensen Problemen zu kämpfen haben, aber auch erhebliche Chancen bieten. Vielleicht waren die Hoffnungen damals überzogen, jedenfalls sind sie weitgehend der Ernüchterung gewichen.

Dass Angela Merkel an Afrika ein gesteigertes Interesse hat, ist nicht verwunderlich: Nach der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 reiste sie ein ums andere Mal auf den Kontinent, wo sie hohes Ansehen genießt. Für Merkel ist klar: Investitionen und wirtschaftliche Entwicklung hängen eng mit der Migrationsfrage zusammen. Wer arm und hoffnungslos ist, wer keine Perspektiven hat, der geht. Vor allem dann, wenn er jung ist. Und das sind viele in den 54 afrikanischen Staaten.

Doch auch die erhöhte Reisetätigkeit der Kanzlerin hat nicht bewirkt, dass das Interesse deutscher Unternehmen für afrikanische Länder geweckt wurde – weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Die grassierende Korruption ist nach wie vor eines der größten Hemmnisse in den afrikanischen Staaten. Leuchttürme wie Äthiopien oder Ruanda sind immer noch eine Ausnahme. Deswegen ist es zwar nicht falsch, dass Deutschland versucht, Partnerschaften mit Ländern einzugehen, die vergleichsweise gute Voraussetzungen vorweisen können. Aber den Knoten durchschlagen können nur die afrikanischen Regierungen selbst. Dazu scheinen allerdings immer noch die wenigsten bereit zu sein.

 
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