Kommentar

Erschreckend gleichgültig

Archivartikel

Überwachung, die gut für den Datenschutz ist? Das klingt auf den ersten Blick widersprüchlich. Tatsächlich aber ist es ein geringerer Eingriff in die Rechte der Bürger, wenn nur einzelne Sequenzen statt stundenlanger Bilderströme gesichtet werden. Trotzdem bleiben auf den zweiten Blick Zweifel. Denn es ist erschreckend, wenn selbst Datenschützer wie der Landesbeauftragte es hinnehmen, dass Bürger mittlerweile fast ständig gefilmt werden. Gerade bei Datenschützern sollten alle Alarmglocken schrillen, wenn die Videoüberwachung in Städten immer weiter ausgeweitet wird.

In Mannheim fragen sich Kritiker schon seit Jahren besorgt: Wo führt das hin? Wo sich in der Vergangenheit zunächst viele Menschen gegen das Aufhängen der Kameras gewehrt haben, befürworten mittlerweile laut dem „MM“-Barometer 80 Prozent der Mannheimer die Videoüberwachung. Haben wir uns vielleicht schon zu sehr an die Überwachung durch die Polizei gewöhnt? Längst akzeptieren wir Eingriffe in unsere Rechte, die für die meisten heute kaum bis gar nicht spürbar sind – solange bis sie selbst in den Fokus der Kamera geraten.

Bilder 72 Stunden gespeichert

Denn was manche dabei vergessen: Auch wenn die Algorithmen etwa bei spielenden Kindern auf dem Alten Meßplatz kein strafbares Verhalten erkennen, deswegen nicht anschlagen und die Beamten hinter den Monitoren keine Live-Bilder davon zu sehen bekommen, wird doch das Video davon gespeichert. So lässt sich 72 Stunden lang nachverfolgen, welches Kind wo oder wie lange sich dort aufhält. Spätestens wenn Kinder gefilmt werden, sollten wir aufhorchen. Wir sollten uns als Gesellschaft davor hüten, uns an solche Eingriffe in unsere Rechte zu gewöhnen und sie einfach so hinzunehmen. Vielmehr müssen wir selbst genauer hinschauen, uns bewusst machen, was da mit unseren Daten geschieht und hinterfragen, warum das passiert. Obwohl das eigentlich genau die Aufgabe von Datenschützern ist.

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