Kommentar

Erschreckende Methoden

Jürgen Berger zum Ende des Oregon Projects

Dass der Weltkonzern Nike jetzt die Notbremse bei seinem umstrittenen Oregon Project gezogen hat, war nach der Doping-Sperre von Alberto Salazar die einzig mögliche Entscheidung, um noch größeren Imageschaden zu verhindern. Die Begründung dafür gleicht allerdings dem nächsten Totalschaden in diesem Leichtathletik-Skandal. Geschäftsführer Mark Parker begründet den Entschluss nicht etwa mit den unmoralischen und gesundheitsgefährdenden Methoden Salazars, sondern spricht von „unbegründeten Behauptungen, die Athleten ablenken“. Das ist eine erschreckende Aussage.

Salazar ist überführt, der Trainer hat das Gewinnen zweifellos über das Wohlergehen seiner Sportler gestellt – und vieles spricht dafür, dass Nike seit geraumer Zeit zumindest davon wusste, dass der schon länger umstrittene Projektleiter mit äußerst zweifelhaften Experimenten versuchte, die Grenzen des Legalen auszureizen.

Ob prominente Teammitglieder wie Mo Farah, Sifan Hassan oder das deutsche Laufwunder Konstanze Klosterhalfen mit den Praktiken Salazars in Kontakt gekommen sind, ist unbekannt. Für sie gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Doch angesichts der Faktenlage müssen sie akzeptieren, dass sie durch das Doping-Urteil ebenfalls in ein schlechtes Licht gerückt werden, weil sie das Oregon Project und die Person Salazar bislang nicht kritisch genug hinterfragen und sich glaubhaft distanzieren.

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