Kommentar

Erst die Moral

Wolfgang Mulke über das Wegwerfen neuer Produkte

Nagelneue Schuhe wandern auf den Abfallhaufen. Teure Uhren werden zerstört, damit ihr Preis auf dem Markt nicht verfällt. Beides sind Beispiele für einen geradezu unmoralischen Umgang mit wertvollen Ressourcen vor allem durch Onlinehändler. Diese Praxis ist Umweltministerin Svenja Schulze zu Recht ein Dorn im Auge – und wird hoffentlich bald der Vergangenheit angehören. Das verspricht sich die Ministerin von einer Gesetzesänderung.

Der Handel soll mit einer so genannten Obhutspflicht belegt werden. Das bedeutet, dass die von Kunden zurückgegebene Ware nicht mehr vernichtet werden darf. Sie muss entweder weiter vermarktet, als Sonderposten verramscht oder gespendet werden. Erst soll die Moral kommen, dann das Geschäft. Denn es ist für die Unternehmen oft teurer, die Rückläufer zu lagern oder zu verwerten als sie gleich in die Tonne zu treten.

Angesichts der Dimensionen des Onlinehandels ist die Neuregelung unumgänglich. Rund 500 Millionen Produkte senden Verbraucher Experten zufolge jährlich an den Verkäufer zurück. Weggeworfen wird davon zwar nur ein kleiner Anteil von wenigen Prozent. Doch selbst, wenn es nur jede hundertste Bestellung ist, wären es immer noch fünf Millionen neue Produkte.

So eine Verschwendung darf sich die Gesellschaft nicht mehr leisten. Es muss zukünftig verstärkt um eine vernünftigere Nutzung aller Wertstoffe hin zu einer vollständigen Kreislaufwirtschaft gehen. Nur so wird sich ein hohes Maß an Konsum aufrechterhalten lassen.