Kommentar

Erst mal verloren

Archivartikel

Tobias Käufer sieht auf Juan Guaidó, den selbst ernannten Interimspräsidenten Venezuelas, schwere Zeiten zukommen

Venezuelas linksnationalistischer Präsident Nicolas Maduro sitzt immer noch fest im Sattel. Nach dem gescheiterten Transport von humanitären Hilfslieferungen der venezolanischen Opposition über die kolumbianische Grenze ist das Momentum, die Dynamik der Bewegung, dahin. Parlamentspräsident Juan Guaidó reist durch Südamerika, um ideologisch Verbündete zu besuchen, aber es fehlt eine Strategie, wie es nun weitergehen soll.

Guaidó hat alles auf eine Karte gesetzt – und erst einmal verloren. Dem kometenhaften Aufstieg des jungen Politikers droht ein jähes Ende. Wenn Guaidó in den nächsten Tagen nach Venezuela zurückreist, droht ihm die Verhaftung. Maduros Justiz hatte schon vor Wochen eine Ausreisesperre gegen ihn verhängt. Gegen diese hat Guaidó verstoßen, als er Venezuela verließ, um beim Benefizkonzert an der kolumbianischen Grenze dabei zu sein. Maduro kündigte an, Guaidó müsse sich der Justiz stellen. Nun könnte ihn das gleiche Schicksal ereilen wie so viele andere Politiker zuvor, die sich Maduro entgegenstellten: Haft, Hausarrest, Exil oder Berufsverbot. Wie Guaidó steht auch die internationale Staatengemeinschaft jetzt erst mal ratlos vor einem Regime, das mit Waffengewalt gegen die eigene Bevölkerung vorgeht.

Um seine Anhänger weiter zu mobilisieren, muss Guaidó aber nach Caracas zurück. Bliebe er im Exil, ginge der Kontakt verloren. Kehrte er zurück, drohte ihm das Gefängnis. Egal, was der Maduro-Rivale macht, auf den jungen Aufsteiger warten schwere Zeiten.

Dafür gibt es Meldungen über neue Fluchtbewegungen aus Venezuela. Zwar sind viele Grenzübergange gesperrt, doch über die unkontrollierbaren grünen Grenzen kommen immer mehr Venezolaner nach Kolumbien. Sie wollen nicht mehr darauf warten, wie dieser Machtkampf ausgeht.