Kommentar

Erste seriöse Zahl

Archivartikel

Peter W. Ragge zu den Kosten einer Theatersanierung

Schon wieder teurer? Das mag mancher denken, der nun die neue Zahl von 200 Millionen Euro an Kosten für eine mögliche Generalsanierung des Nationaltheaters hört. Tatsächlich waren im Juli vergangenen Jahres noch 185 Millionen Euro genannt worden. Doch hier kommt es sehr auf die Begriffe an. Was vorher eine Kostenschätzung war, ist nun eine konkrete Berechnung. Dabei handelt es sich nicht um Wortklauberei, sondern die üblichen Abfolgen im Bau-, Architekten- und Vergaberecht.

Erst jetzt haben die Experten eben mal hinter alle Decken und Wandverkleidungen, in Rohrschächte und Kabelkanäle geschaut. Was früher durch Köpfe und Debatten geisterte, etwa die Zahl von 80 Millionen Euro, war vor über einem Jahrzehnt ganz grob über den Daumen gepeilt, aber nie durch irgendeine seriöse Untersuchung oder Kalkulation belegt worden. Darauf hatte das Theater auch stets ausdrücklich warnend hingewiesen.

Auch künftig werden Überraschungen, wie bei alten Gebäuden üblich, nicht auszuschließen sein. Bewusst ist daher ein – vergleichsweise hoher – Aufschlag für Preissteigerungen und Unvorhergesehenes einkalkuliert. Aber jetzt haben Bürgerschaft und Politik mal eine echte Zahl. Damit ist endlich eine Grundlage geschaffen, um über Generalsanierung oder Abriss und Neubau zu diskutieren – und die Finanzierung anzugehen.

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