Kommentar

Es bewegt sich was

Hannes Koch zum Vorschlag für kostenlose Bus- und Bahntickets: Nicht der Preis, sondern das mangelnde Angebot ist das Problem

 

Die Bundesregierung ist aufgeschreckt. Eine teure Liste von Maßnahmen hat sie bereits beschlossen, um die Luftqualität in Städten zu verbessern. Jetzt legt sie noch mal nach. Offenbar hat ihr die EU-Kommission gedroht, dass das bisherige Programm nicht reicht. Auch dürfte die Verhandlung des Bundesverwaltungsgerichts über Fahrverbote in der kommenden Woche eine Rolle spielen. Mit ihren Ankündigungen will die Regierung verhindern, dass Diesel-Fahrzeuge aus Städten ausgesperrt werden.

Dabei ist der Nulltarif im Öffentlichen Nahverkehr eine schöne, vermutlich aber unrealistische Idee. Bus- und Bahnfahrten zu verschenken, ist für die kommunalen Verkehrsbetriebe sehr teuer. Weder die Länder noch der Bund sind auf Dauer bereit, das zu bezahlen. Deshalb wird der Nulltarif über Experimente oder vorübergehende Notmaßnahmen nicht hinauskommen. Wahrscheinlich wäre es schlauer, mehr Busse und Bahnen einzusetzen sowie neue Linien zu bauen, die die Städte mit dem Umland verbinden.

Die meisten Pendler fahren nicht Auto, weil der Öffentliche Verkehr so teuer ist, sondern weil das Angebot nicht ausreicht. Immerhin scheint die Regierung aber den Schuss gehört zu haben. Mehr als zwei Jahre, nachdem der Diesel-Skandal bekannt wurde, herrscht Bewegung. Wenn die Politik nur einen Teil ihrer Pläne umsetzt, wird die Luft in manchen Ballungszentren deutlich besser. Obwohl der Kern des Problems vorläufig bleibt – der zu hohe Abgas-Ausstoß der meisten Diesel.

Etwas mehr Druck auf die Autokonzerne schadet nicht. Ein paar Milliarden Euro für die Nachrüstung können sie sich leisten.

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