Kommentar

Es braucht mehr

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Joana Rettig zur Idee, Top-Managern Elternzeit zu gewähren

Dass sich CDU und CSU für Frauenrechte in der Wirtschaft starkmachen, ist genauso selten wie klasse. Bekannte Gesichter wie Digitalministerin Dorothee Bär oder die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Silvia Breher wollen Vorständen und Vorständinnen die Elternzeit ermöglichen. Ein guter Ansatz, aber auch ein gefährlicher.

Zunächst ist es erschreckend, dass so ein Schritt erst im Jahr 2020 kommt. Bisher müssen Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder – ob männlich oder weiblich – meist auf ihr Amt verzichten, wenn sie bei dem Neugeborenen sein wollen. Weil es leider heutzutage immer noch überwiegend Frauen sind, die diese familiäre Rolle einnehmen, werden sie mit dieser Regelung ganz klar diskriminiert. Einen Vorstandsposten unter diesen Bedingungen anzustreben – das machen dann eben nur jene, die keinen Kinderwunsch haben.

Es gibt allerdings ein ganz großes Aber hinsichtlich des Vorstoßes. Sollte ein solches Gesetz durchgesetzt werden, müssen weitere Regelungen folgen. Ansonsten werden sich Unternehmen nämlich hüten, Frauen für einen Vorstandsposten überhaupt in Erwägung zu ziehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Vorständin für ein paar Jahre ausfällt, ist im Geschlechtervergleich nämlich sehr viel höher. Klar dürfen Firmen nicht nach Geschlecht urteilen – Gründe beziehungsweise Ausreden, warum es dieses Mal eben der Mann geworden ist, finden sich aber leider immer ...