Kommentar

Es geht ums Eingemachte

Thomas Spang zu Donald Trump und dem G7-Gipfel

G7 minus 1 – so lässt sich das Fazit des Gipfels der sieben wichtigsten Industrienationen in Kanada auf eine knappe Formel bringen. Diese steht für eine dramatische Zäsur, die das Ende der Nachkriegsordnung besiegeln könnte. US-Präsident Donald Trump ließ es dafür nicht an Symbolik mangeln. Er kam zu spät und reiste früher ab. Mit einer fadenscheinigen Begründung zog der Präsident dann die Unterschrift unter die mühsam verhandelte Schlusserklärung zurück und drohte den engsten Verbündeten offen mit einem Handelskrieg. Trump-Fans spricht der „Amerika zuerst“-Präsident aus dem Herzen. Wie ihr Präsident sehen diese sich und ihr Land als Opfer aller anderen Staaten. Freihandel und Diplomatie ist für sie ein Nullsummen-Spiel, bei dem der Erfolg des einen den Verlust des anderen bedeutet.

Nach dem Fiasko von Kanada muss sich der führungslos gewordene Westen nun auf den nächsten Angriff einstellen: die Verknüpfung von Handel und Sicherheit durch das infrage stellen der Nato. Das Verteidigungsbündnis ist dem Nationalisten mindestens so lange ein Dorn im Auge wie der Freihandel.

Trump hat aus seiner Abneigung gegen die auf Zusammenarbeit und Regeln gegründete Nachkriegsordnung nie ein Geheimnis gemacht. Beim G7-Gipfel in Kanada rieb er es allen noch einmal unter die Nase. Er fand nettere Worte für Putin und Kim als für Trudeau und Merkel. Für Europa geht es ums Eingemachte. Mehr noch als für Kanada stehen die Sicherheit und der Wohlstand des europäischen Kontinents auf dem Spiel.