Kommentar

Es klingt plausibel

Thomas Spang hält den Vorwurf der Agententätigkeit von Donald Trump für durchaus möglich: Damit könnte seine Politik erklärt werden

Es liegt noch nicht lange zurück, da mussten sich die Überbringer der Nachrichten aus Trumps Amerika für deren skandalösen Inhalt zuweilen rechtfertigen. Kommentatoren erhielten wohlmeinende Hinweise, den Präsidenten nicht so ganz wörtlich zu nehmen und nicht selber überzureagieren. Alles werde sich schon wieder einrenken. Irgendwie.

Dass die amerikanische Bundespolizei FBI im Jahr 2017 Donald Trump als möglichen Agenten Russlands im Oval Office ins Visier nahm, und Sonderermittler Robert Mueller diese Ermittlungen vermutlich fortführt, ist ein schockierender Beweis für die Einzigartigkeit dieser Präsidentschaft. Das bizarre Verhalten Trumps gegenüber Wladimir Putin verbunden mit der Feindseligkeit gegen die langjährigen Nato-Partner und Freunde der USA in Europa ließen sich ganz leicht erklären, wenn sich die Befürchtungen des FBI als richtig herausstellten. Das Gleiche ließe sich für den Rückzug aus Syrien, die diplomatische Degradierung der Europäischen Union in den USA, Zugeständnisse bei den Ukraine-Sanktionen und die Vorzugsbehandlung russischer Oligarchen mit Putin-Nähe sagen.

Und es erklärte, warum Trump so eine beispiellose Geheimniskrämerei um seine Treffen mit dem russischen Präsidenten betreibt. Was gibt es vor der eigenen Regierung zu verstecken, wenn es sich bloß um normale Kontakte handelte?

Bewiesen ist bisher nichts, aber die Indizien lassen die Möglichkeit plausibel erscheinen, jemanden im Oval Office sitzen zu haben, dessen Agenda „Russland zuerst“ lautet. Übertrieben? Fehlendes Augenmaß? Es lohnt sich, die Enthüllungen in der „New York Times“ und der „Washington Post“ einmal in Ruhe zu studieren.

 
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