Kommentar

Hagen Strauß zum Gesetzentwurf gegen das Kükentöten

Ethisch verwerflich

Archivartikel

Ein völliger Systemwechsel ist es nicht, wie Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner gegen das Kükentöten vorgeht. Das wäre es, wenn damit auch eine politisch gewollte Rückbesinnung vorgegeben würde, nicht mehr nur auf bestimmte Zuchtlinien zu setzen. Aber: Das wäre von der Ministerin wohl zu viel verlangt gewesen, denn ein solches Ansinnen hätte den großen Kampf gegen wirtschaftliche Interessen bedeutet.

Klöckner gebührt trotzdem Lob. Nun liegt ein Gesetzentwurf auf dem Tisch, mit dem das Schreddern und das Vergasen von Küken wegen des falschen Geschlechts beendet werden soll. Ethisch und moralisch war der Vorgang verwerflich, und er war stets Beleg für die Perversion eines Systems der Hochleistungszucht, in dem Tiere nur noch als Ware und gar nicht mehr als Geschöpfe gesehen werden. Gut, dass damit zumindest in einem Bereich bald Schluss ist.

Zugleich hat das Ministerium mit Millionen dafür gesorgt, eine neue Methode der Geschlechtsbestimmung bereits im Ei zu entwickeln. Das ist quasi die Brücke, die man der Industrie mit Steuergeldern gebaut hat. Jetzt bleibt der Branche noch eine Schonfrist bis Ende 2021, um flächendeckend umzustellen. Einen Haken hat die Sache freilich: Das Gesetzgebungsverfahren beginnt erst. Klöckner wird also noch Überzeugungsarbeit leisten müssen, gerade in den eigenen Reihen.

 
Zum Thema