Kommentar

Europa als Öko-Treiber

Archivartikel

Thorsten Langscheid über die Renaturierung des Neckarufers

Da sage noch einer, die Europäische Union sei überflüssig: Dank einer 20 Jahre alten EU-Richtlinie kommt die Mannheimer Bundesgartenschau 2023 am Ende doch noch zu einem echten ökologischen und nachhaltigen Vorzeigeprojekt: Die seit langem gewünschte Revitalisierung des kanalisierten Altneckars bei Neuostheim ist keineswegs nur ein weiteres Projekt, um irgendwelche Fördergelder abzugreifen. Ganz im Gegenteil: Es geht darum, die Uferbereiche des Flusses möglichst so wieder herzustellen, wie sie vor dem Bau des Neckarkanals vor rund 90 Jahren einmal gewesen sind. Denn darauf, ihre Flüsse und Seen sowie die zugehörigen Uferbereiche bis spätestens 2027 in einen ökologisch und chemisch guten und soweit möglich auch naturnahen Zustand zu bringen, darauf haben sich die EU-Mitgliedsstaaten in der Wasserrahmenrichtlinie des Jahres 2000 geeinigt.

Dass die Umsetzung einer solchen Vorgabe Jahrzehnte dauern kann – das ist die eine Erkenntnis aus dem Renaturierungsprojekt an dem rund 3,5 Kilometer langen Flussabschnitt. Dass EU-Vorgaben dabei aber dennoch ganz unmittelbare positive Folgen für die Lebensqualität jedes einzelnen Bürgers vor Ort haben, die andere. Denn die im kommenden Jahr beginnende Umgestaltung der Uferbereiche wird zum einen die immer knapper werdenden Lebensräume zahlreicher heimischer Tier- und Pflanzenarten bewahren und vergrößern. Und zum anderen den Naherholungs- und Freizeitwert der heute schon von vielen Menschen genutzten Uferbereiche verbessern.

Das großangelegte Naturschutzprojekt, das der Mannheimer Umweltpolitiker Wolfgang Raufelder (1957-2016) mit angestoßen hat, verdankt vor allem den beharrlichen Planern des Nachbarschaftsverbands Heidelberg-Mannheim, dass es nun realisiert werden kann. Denn es fügt sich in den Rahmen des „Lebendigen Neckars“ ein, ebenfalls ein auf Jahrzehnte angelegtes Programm zur Verbesserung und Aufwertung der Flusslandschaft im städtischen Ballungsgebiet.

Und zudem lehrt das Beispiel, wie die EU funktioniert: Die Mitgliedsstaaten legen sich auf eine gemeinsame Qualitätsvorgabe fest, und dann dekliniert der Staatenbund über sämtliche Verwaltungsebenen von Brüssel über Berlin und Stuttgart bis nach Mannheim das Motto nachhaltiger Entwicklungspolitik durch: Global denken, lokal handeln.

Zum Thema