Kommentar

Europäische Antwort nötig

Wolfgang Mulke zum Freihandelspakt von China

Wenn Europa nicht aufpasst, gerät es auf lange Sicht ins Hintertreffen. Die neue Freihandelszone in Asien wird die wirtschaftlichen Machtverhältnisse zwar nicht kurzfristig verändern. Langfristig ebnet es der aufstrebenden chinesischen Ökonomie den Weg zu einer weltweiten Führungsposition. Das ist das erklärte Ziel der Führung dort. Fortfallende Handelshemmnisse erleichtern die angestrebte Expansion.

Das Abkommen steht für fast ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung. Damit bewegt sich die Region schon etwa auf dem europäischen Level. Und es beweist, dass die in den letzten Jahren von den USA betriebene Abschottung gegenüber anderen kein Vorbild für andere Länder ist. Bei aller Skepsis gegenüber China gehen Japan, Australien oder Südkorea bei der Öffnung der asiatischen Märkte mit. Die Vorteile überwiegen die Nachteile.

Dagegen kommt Europa schon lange nicht mehr vom Fleck. Untereinander zerstritten, auf Distanz zum alten Verbündeten USA ist es zu einem Kraftakt für die eigene Wettbewerbsfähigkeit nicht bereit. Dabei ist eine europäische Antwort auf das Vordringen Chinas notwendig. Die EU muss im pazifisch-asiatischen Raum Partner finden. Dort wird wirtschaftlich in den kommenden Jahrzehnten die Musik spielen. Andernfalls wird es nicht beim freien Handel bleiben. Es geht angesichts des schnellen technologischen Wandels auch darum, wer die technischen und regulatorischen Standards setzt. Auf all diesen Feldern hat Europa Nachholbedarf.

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