Kommentar

Exodus auf die Insel

Alexander Müller zur Entscheidung von Ralph Hasenhüttl

Ralph Hasenhüttl konnte sich seinen neuen Arbeitgeber fast aussuchen: In Stuttgart hätten sie den Österreicher mit Kusshand als Korkut-Nachfolger genommen, im Falle Bayer Leverkusen spricht manches Indiz dafür, dass Heiko Herrlich nur noch Trainer ist, weil Hasenhüttl mit der Zusage zögerte. Und wer weiß, welche Dynamiken beim FC Bayern entstehen könnten, wenn Niko Kovac doch noch das Vertrauen entzogen bekommt?

Hasenhüttl entschied sich anders – die magnetische Anziehungskraft der britischen Premier League wirkte auch beim früheren Leipziger Erfolgscoach. Dass der einstige Mittelstürmer einen Job beim englischen Mittelklasseclub FC Southampton einer neuen Herausforderung in der Bundesliga vorzog, spricht Bände. Denn längst hat der Exodus auf die Insel nach den Star-Spielern auch die Trainerzunft erfasst: Ob Pep Guardiola, José Mourinho, Jürgen Klopp, Maurizio Sarri oder Mauricio Pochettino – die Vereine der Premier League locken mit ihren unvergleichlichen wirtschaftlichen Möglichkeiten die besten Fußballlehrer der Welt an. Bei diesem Goldrausch will jeder dabei sein, der etwas auf sich hält. Auch wenn es wie bei Hasenhüttl noch nicht einmal für die Anstellung bei einem Top-Verein reicht.

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