Kommentar

Fadenscheinig argumentiert

Archivartikel

Bertram Bähr zur Verhaltensweise des Kultusministeriums

Wenn Schüler nach anstrengenden Prüfungen ihre Abschlussfahrten starten, ist in aller Regel Entspannung und Freizeit angesagt. Die Interkulturelle Waldorfschule in der Neckarstadt bildet da eine Ausnahme: Elf Tage in Istanbul nutzten die Mannheimer fast durchweg dafür, das Außengelände einer befreundeten Schule herzurichten. Sie packten bis zur Erschöpfung mit an – räumten auf, mähten, bauten einen Zaun, machten einen Pool funktionsfähig. Dass sie die Reise überhaupt antreten konnten, haben sie ihrer Schule zu verdanken. Denn die zahlte die Mehrkosten, die durch die landesweite Verlegung einer Prüfung und die dadurch erforderliche erneute Buchung notwendig geworden war.

Auf den Kosten, so das Kultusministerium im April, dürften die Schulen „nicht sitzenbleiben“, sie „können nichts dafür“. Jetzt argumentiert die Behörde, sie habe lediglich von Stornokosten gesprochen. Und diese auch bezahlt. Bei einer neu gebuchten Reise wisse man schließlich nicht, ob die Schule auf Kosten des Steuerzahlers ein teureres Ziel ansteuere. Diese Argumentation ist fadenscheinig. Schließlich kann die Waldorfschule zweifelsfrei belegen, dass sie exakt das Sozialprojekt umgesetzt hat, das von Anfang an geplant war.

Sieben Schulen in ganz Baden-Württemberg mussten ihre Abschlussfahrten wegen der Prüfungsverlegung absagen. 22 000 Euro zahlte das Ministerium dafür an Stornokosten. Weitere 1538 Euro für das Sozialprojekt waren offenbar nicht drin. Wertschätzung sieht anders aus.

 
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