Kommentar

Fahrlässiger Plan

Katrin Pribyl hält den Wunsch der Brexit-Gegner nach einer neuerlichen Volksabstimmung für gefährlich

Die Brexit-Gegner auf der Insel suchen verzweifelt nach einem Weg, wie sie den Austritt des Königreichs aus der EU noch verhindern können. Einige Abgeordnete spekulieren darauf, mit der Ablehnung des Brexit-Deals im Unterhaus eine erneute Volksabstimmung zu erzwingen. Sie hoffen, dass sich die Bevölkerung dann für den Verbleib in der Gemeinschaft aussprechen würde, auch wenn die Umfragen das keineswegs andeuten.

Der Plan ist leichtsinnig, fast unverantwortlich. Nicht nur, dass das Risiko einer ungeordneten Scheidung ohne Austrittsabkommen damit gefährlich groß wird. Selbst wenn es zu einem weiteren Votum kommen sollte, muss die Frage berechtigt sein: Warum wäre diese Abstimmung demokratischer als jene im Juni 2016? Warum wollen die Aktivisten das ohnehin bereits vergiftete Klima auf der Insel weiter vergiften, die Bevölkerung weiter spalten? Die Konsequenzen könnten fatal ausfallen.

Ohne Zweifel würde sich ein Teil der Briten zurecht betrogen fühlen, und die Rechtspopulisten bekämen wieder Zulauf. Manche Beobachter fürchten Unruhen. Die pro-europäischen Unterstützer eines zweiten Referendums mögen aus EU-freundlicher Sicht nachvollziehbare Gründe für ihr Handeln haben, aber sie zeigen beinahe genauso wenig Vernunft wie die Hardliner, die am liebsten ohne Abkommen aus der Union krachen und ein mögliches wirtschaftliches Desaster in Kauf nehmen würden.

Der auf dem Tisch liegende, hart erkämpfte Kompromiss ist innerhalb der gezogenen roten Linien der bestmögliche und vor allem finale Deal. Das hat die EU mehrmals deutlich gemacht. Nur hört im Königreich wieder einmal niemand zu.