Kommentar

Faire Beteiligung

Archivartikel

Wolfgang Mulke zu den Kosten für Rückholaktionen

Billigtickets waren es nicht, mit denen rund 240 000 deutsche Urlauber aus ihren Ferienzielen zurückgeflogen wurden. Die Bundesregierung hatte eigens Maschinen dafür gechartert. Das hat viele Millionen Euro gekostet. Nun erhalten die Heimkehrer die späte Rechnung dafür. Sie müssen sich an den Kosten für den Transfer in die Heimat beteiligen.

Manch Betroffene wird es zwar ärgern, doch ist dieses Vorgehen des Auswärtigen Amtes nur gerecht. Schließlich haben sich die Reisenden selbst in die missliche Lage gebracht, im Ausland festzusitzen. Auch wenn dies niemand ahnen konnte, fällt die Verantwortung dafür nicht dem Staat zu. Es war und bleibt eine in diesem Umfang für den Steuerzahler teure Solidaritätsaktion des Staates. In der damaligen Situation war sie richtig und hat den gestrandeten Urlaubern aus ihrer Not geholfen.

Heute wäre die Ausgangslage eine andere. Jeder und jede Reisende weiß nun, dass überall auf dieser Welt Extremsituationen eintreten können. Darauf sollten sie sich einstellen und sich beispielsweise vor dem Trip in ein potenzielles Krisengebiet genau informieren. Denn eine Rückholaktion dieser Art wird einmalig bleiben. Diese Eigenverantwortung trübt vielleicht die Ferienlaune, ist jedoch vonnöten.

Lehren müssen auch die Staaten ziehen. Die Rettung wäre bei weitem nicht in dieser Größenordnung nötig geworden, wenn sie innerhalb der EU nicht ohne Absprache alles dicht gemacht hätten. Sollte die Pandemie in einer zweiten Welle massiv wiederkommen oder es irgendwann ein neues, global zirkulierendes Virus geben, ist ein abgestimmtes Vorgehen gefragt, um die diesmal zu beobachtenden Schäden durch die nationale Abschottung gering zu halten.

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