Kommentar

Falsche Adresse

Jan Kotulla zum Vorschlag von Thomas Röhler

Das Ansinnen ist nicht neu. Immer wieder weisen Sportlerinnen und Sportler in Deutschland auf ihre schwierige finanzielle Situation hin. Zusätzlich zu Ausbildung oder Studium schinden sie sich im Training, um dann bei EM, WM oder Olympia gegen die Besten der Welt anzutreten.

Allerdings steht auch hierzulande mehr als die Hälfte der Athletinnen und Athleten im Sold des Staates – bei der Bundeswehr, der Polizei oder dem Zoll.

Röhlers Rechnung geht auch aus einem weiteren Grund nicht auf. Der Speerwerfer richtet seine Begehrlichkeiten auf das Internationale Olympische Komitee. Man kann dem IOC so einiges vorwerfen, nicht jedoch, dass es das eingenommene Geld hortet. Über 90 Prozent werden an die nationalen Dachverbände ausgeschüttet. Insofern sollte Röhler sich an den Deutschen Olympischen Sportbund wenden und dort nachfragen, wie die Millionen verwendet werden und warum man dort – was die Höhe der Einnahmen angeht – seit Jahren mauert? In Sportstättenbau, Trainerhonoraren und Breitensport – wird ein Teil der Antwort lauten, ohne konkret zu werden.

Dennoch sollte Röhlers Hilferuf ernst genommen werden. Wenn Deutschland bei den olympischen Sportarten weiterhin zur Spitze gehören soll, müssen sich die Aktiven finanziell sorgenfrei um ihren Sport kümmern können. Wenn es optimal läuft, zahlen sie es mit Gänsehaut-Momenten zurück.