Kommentar

Falsche Prioritäten

Bertram Bähr zur Neuordnung der beruflichen Schulen

Elektromobilität ist zurzeit in aller Munde. Und spielt im Angebot der beruflichen Schulen in Mannheim eine entsprechend große Rolle. Aber vielleicht liegen die Schwerpunkte in absehbarer Zeit auf Brennstoffzellen-Technologie oder synthetischen Kraftstoffen. Schon jetzt bereiten die Schulen sich auf solche Entwicklungen vor, gemäß dem Motto von Carl-Benz-Leiter Klaus Zeimer: „Wir müssen technologieoffen sein.“

So forcieren die Bildungseinrichtungen auch die Vorbereitung ihrer Schüler auf das Internet der Dinge, Industrie 4.0 – und bauen eine virtuelle Lernfabrik auf. Offenheit gegenüber Neuem stellen sie aber auch bei der jetzt umzusetzenden organisatorischen Reform unter Beweis, bei der von ehemals fünf Schulen vier übrig bleiben.

Die Stadt weiß, was sie an ihren beruflichen Zentren hat. Mit ihrer Kompetenz werben sie in der Region und darüber hinaus für den Standort Mannheim. Entsprechend viel Geld hat es sich die Verwaltung denn auch schon kosten lassen, die Bildungseinrichtungen mit einem modernen Gerätepark auszustatten – und sie über das städtische Glasfasernetz an schnelles Internet anzubinden. Ein Privileg, das derzeit nur ein knappes Sechstel der Mannheimer Schulen hat.

Bei allem Engagement: Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Nötig wären noch deutlich schnellere Verbindungen. Nötig wäre eine Generalsanierung der alten, bröckelnden Gebäude. Nötig wäre ein moderner Werkstattkomplex. Und das sind nur die Baustellen am Neckarufer. Der Investitionsbedarf in den Schulen insgesamt liegt bei mehreren 100 Millionen Euro.

Das zeigt: Die Aufgaben, vor denen die Stadt allein im Bildungsbereich steht, kann sie unmöglich alleine bewältigen. Auch der jahrelang diskutierte und jetzt endlich anlaufende Digitalpakt deckt nur einen verschwindend geringen Teil des Bedarfs. Trotz aller Sonntagsreden zur Bedeutung der Bildung: Die Prioritäten in Bund und Land – sie sind falsch gesetzt.

 
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