Kommentar

Falscher Fokus

Jan Kotulla zur Debatte um die U-23-Regel in der DEL

Pünktlich zum Start der neuen Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) hat eine Diskussion begonnen, bei der man sich fragt – warum diese Aufregung? Ab sofort dürfen die Clubs nur dann noch 19 Akteure aufstellen, wenn zwei von ihnen unter 23 Jahre alt sind.

Die Kritiker dieser Formel befürchten, dass ältere deutsche Spieler keinen Vertrag in der DEL mehr bekommen. Manche verweisen darauf, dass sich gute Spieler auf jeden Fall durchsetzen, unabhängig vom Alter. Marcel Goc, Jochen Hecht, Dennis Seidenberg oder jetzt gerade Moritz Seider sind dafür die besten Beispiele. Doch diese Vorzeige-Akteure reichen nicht aus, um das erklärte Ziel des Deutschen Eishockey Bundes, spätestens 2026 regelmäßig bei WM und Olympia um die Medaillen mitzuspielen. Dazu braucht es eine breite Basis – und die Aussicht der Talente, in der DEL Eiszeit zu bekommen, um wirklich Fuß fassen zu können.

Der sanfte Druck des DEB und der DEL dürfte dafür sorgen, dass die Trainer die U-23-Regel befolgen, um während der Partie einen Mann mehr einsetzen zu können. Denn das darf man nicht vergessen: Wer partout auf den Nachwuchs verzichten will, der kann das tun, nur ist dann eben eine Position in der Mannschaftsaufstellung unbesetzt. Angesichts des ständig steigenden Tempos, mit dem die Coaches ihre Teams aufs Eis schicken, tut aber jede Atempause gut – egal wie jung oder alt die Cracks sind. Der Vorwurf, die Jungen würden sich auf ihrem Vertrag ausruhen, ist fadenscheinig. Spätestens als 23-Jährige müssen sie sich ja gegen die Nachrücker beweisen.

In der Debatte wäre es wichtiger, den Fokus auf die teils abenteuerliche Einbürgerungspraxis zu legen. Auf diese Weise umgehen einige Clubs systematisch die Nachwuchsarbeit. Das kann nicht im Sinn des DEB sein.

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