Kommentar

Falscher Weg

Archivartikel

Die Bonpflicht ruft eine große Welle der Empörung hervor. Dabei ist das Kassengesetz für mehr Steuergerechtigkeit in der Sache absolut richtig, nur die Umsetzung ist falsch. Denn die Art und Weise zeigt, dass sich Deutschland beim Thema Digitalisierung noch im Mittelalter befindet. Zehn Milliarden Euro, so lauten vorsichtige Schätzungen, entgehen dem Fiskus jedes Jahr durch manipulierte Kassen. Das darf sich der Staat nicht bieten lassen. Vor allem sind die Unternehmen die Dummen, die sich fair an die Regeln halten und somit einen Wettbewerbsnachteil gegenüber den Betrügern haben.

Dass nun jeder Kauf eines Kaugummis oder einer Butterbrezel mit einem Papierzettelchen belegt wird, ist allerdings ein Armutszeugnis. Seit Dezember 2016 ist bekannt, dass die Bonpflicht mit dem neuen Jahrzehnt eingeführt wird. Politik und Unternehmer hatten also gut drei Jahre Zeit, um eine fortschrittlichere Lösung zu erarbeiten – den E-Bon. Andere europäische Länder beweisen, dass die Kassenbelege auch per Mail oder via App verschickt werden können – und zeigen damit auf, dass Deutschland die Digitalisierung anscheinend nicht ernst genug vorantreibt.

Dafür müssten die Kunden jedoch ihr Einverständnis zeigen und den Händlern private Daten wie die E-Mail-Adresse überlassen. Gleichzeitig sollte mit dem Versenden der Rechnung ein Betrug des Fiskus unmöglich werden.

 
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