Kommentar

Stefan Vetter sieht in der Rentenversicherung einen robusten Stabilitätsfaktor mitten in der Pandemie

Fast schon ein Privileg

Archivartikel

Stefan Vetter sieht in der Rentenversicherung einen robusten Stabilitätsfaktor mitten in der Pandemie

Die Corona-Pandemie zieht praktisch alle gesellschaftlichen Bereiche in Mitleidenschaft. Da mögen sich auch viele Rentner schon gefragt haben, wie es um ihr materielles Auskommen in Zukunft bestellt ist. Um es klar zu sagen: Die allermeisten von ihnen müssen sich vergleichsweise wenig Sorgen machen. Denn die häufig kritisierte Rentenversicherung kommt besser durch die Krise als andere Systeme, die auf die Kraft der Kapitalmärkte setzen. Zur Erinnerung: Noch im Juli waren die Renten deutlich gestiegen. So deutlich, dass seriöse Geldanlagen damit nicht Schritt halten können. Und das mitten in der Pandemie.

Die Rentenanpassung vom Juli basierte freilich auf der Lohnentwicklung im zurückliegenden Jahr. Insofern verbot sich auch jede Kritik nach der Devise, die Alten kassierten ausgerechnet in der Pandemie über Gebühr ab. Klar war damals aber auch schon, dass dieses Anpassungsprinzip wegen der Krise allenfalls zu einer Mini-Rentenerhöhung im Folgejahr führen würde. Wenn überhaupt. Die Rentenversicherung hat das nun in ihrer jüngsten Prognose bestätigt. Eine Nullrunde im Juli 2021 ist sicher keine gute Nachricht. Anfang der 2000er Jahre waren die Rentner damit sogar dreimal hintereinander konfrontiert.

Nicht vergessen werden sollte, dass Millionen Arbeitnehmer deutlich sorgenvoller in die Zukunft blicken. Viele sind in Kurzarbeit und nicht wenige von Jobverlust bedroht. Da ist es schon fast ein Privileg, dass die Rente zumindest nicht sinken und die eigentlich fällige Kürzung auch nicht mehr mit späteren Rentensteigerungen verrechnet wird. Behaupte jedenfalls keiner, die große Koalition habe nichts für die Otto-Normal-Ruheständler getan. Vielleicht lehrt die Krise die Kritiker ja, dass das vielbeschworene Rentenniveau eine Chimäre im Kampf gegen Altersarmut ist. Es wird sich erhöhen, obwohl es im Westen bis auf weiteres keinen Cent zusätzlich an Rente gibt. So gesehen könnte Corona sogar zu einer Versachlichung der Debatte über die Zukunft der Alterssicherung beitragen.

 
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