Kommentar

Fatal

Werner Kolhoff über das Versagen der Sicherheitsbehörden im Fall Amri: Zu viele Köche machen zu viel Sicherheitsbrei

 

Die Angehörigen der zwölf Todesopfer des Berliner Weihnachtsmarkt-Anschlages müssen verrückt werden bei dem Bericht des Sonderermittlers über die Pannen der Sicherheitsbehörden im Fall Amri. So wie schon die Angehörigen der NSU-Opfer fast verrückt geworden sind, als das Ausmaß des Versagens in ihren Fällen bekannt wurde. Denn es ist die gleiche Geschichte. Alle Ermordeten könnten noch leben, wenn nur einer bei den zuständigen Behörden richtig reagiert hätte.

Bei Anis Amri hat es nicht an Technik gefehlt, die wurde massiv eingesetzt. Es hätte auch genug rechtliche Möglichkeiten gegeben, um den Mann festzusetzen. Und an Personal hat es ebenfalls nicht gemangelt. Der Polizei fehlte nicht Kommissar Zufall, der schon oft Anschläge verhindert hat. Ihr fehlten die Kommissare Verantwortung und Sorgfalt.

Dies ist einerseits ein individueller Vorwurf, und dass er berechtigt ist, zeigen die Versuche einzelner Beamter in Berlin, die Akten im Nachhinein zu fälschen. Es ist aber auch ein struktureller Vorwurf. Zu viele Köche machen eben zu viel Sicherheitsbrei. Beratungen ohne Ende, aber keine Aktion. Observierungen für nichts, Daten die in Massen erhoben werden, ohne sie zu nutzen.

Eine solche "Sicherheit" braucht niemand. Das ist auch ein politischer Vorwurf an alle beteiligten Ebenen. Die Toten werden nicht wieder lebendig, aber alle, die damals Verantwortung trugen wie Innenminister Thomas de Maizière, oder die sie haben wollen wie die neuen Jamaika-Koalitionäre, sollten sehr ernsthaft im Bund und mit den Ländern einen Prozess in Gang setzen, der sehr schnell dafür sorgt, dass es eine Wiederholung nicht gibt.

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