Kommentar

Fatale Entscheidung

Zweieinhalb Jahre diplomatisches Ringen hat es gekostet, den Iran von der Entwicklung der Atombombe abzubringen. Donald Trump brauchte gestern gerade elf Minuten, um das historische Abkommen von 2015 in Trümmer zu sprengen. Auch wenn Details noch unklar blieben, darf man sich über die fatale Wirkung der Entscheidung keine Illusionen machen: Die religiösen Hardliner im Iran werden gestärkt, die westliche Allianz einer Zerreißprobe ausgesetzt und ein neuer Großkonflikt im Nahen Osten befeuert.

Nicht nur hat Trump die mahnenden deutschen, französischen und britischen Regierungschefs wie Deppen aussehen lassen, indem er ihre Argumente einfach beiseite wischte. Der neue US-Botschafter Richard Grenell ließ auch gleich einen Tweet vom Stapel, indem er deutsche Firmen aufforderte, ihre Geschäfte im Iran sofort zu beenden. So ging man bislang mit Verbündeten nicht um.

Dem Wüterich im Weißen Haus geht es vor allem um die innenpolitische Wirkung: Mit dem Ausstieg zerstört er das wichtigste Erbe seines Vorgängers Barack Obama. Sich selbst will er als harten Hund darstellen. Bei dieser zynischen Inszenierung interessiert weder, dass Iran das Abkommen eingehalten hat, noch, dass die Überwachung der nuklearen Aktivitäten ohne Vertrag fast unmöglich wird.

Wie der US-Präsident schließlich mit düpierten Verbündeten und einem brüskierten Mullah-Regime ein neues Abkommen verhandeln will, ist rätselhaft. Trump hat keinen Plan. Er will den Showdown – notfalls auch militärisch. Das ist brandgefährlich.

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