Kommentar

Fehlende Chemie

Alexander Müller zu den Problemen beim VfL Wolfsburg

Im knallharten Geschäft Fußball-Bundesliga sind Krokodilstränen fehl am Platze. Selbst wenn sich Bruno Labbadia und der VfL Wolfsburg nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen können, wird der Darmstädter weich fallen. Der Fußballlehrer aus Südhessen hat sein Image beim VW-Club mächtig aufpoliert, einen neuen Verein dürfte er zeitnah und problemlos finden.

Dennoch mutet der Vorgang an sich befremdlich an. Zweimal in Folge schafften die Niedersachsen nur über die Relegation den Klassenerhalt in der 1. Liga. Nirgendwo anders standen finanzieller Einsatz und sportlicher Ertrag in einem so krassen Missverhältnis wie beim VfL. Bis Labbadia kam, der die Mannschaft in dieser Saison aus dem Tabellenkeller direkt in die internationalen Plätze geführt hat. Wolfsburg spielt plötzlich wieder ansehnlichen, erfolgreichen Fußball.

Das Problem ist nur, dass der im Juni 2018 – vier Monate nach Labbadia – installierte neue Sportvorstand Jörg Schmadtke mit dem früheren Bundesliga-Torjäger partout nicht kann. Dass die Chemie zwischen leitenden Angestellten nicht stimmt, soll es auch in anderen Unternehmen geben. Seit Schmadtke über die Dissonanzen im Binnenklima jedoch öffentlich gesprochen hat, ist eine weitere Zusammenarbeit – auch auf einer sachlichen Arbeitsebene – praktisch unmöglich geworden.

Ob sich Wolfsburg allerdings einen Gefallen damit tut, Schmadtke zu behalten und Labbadia wegzuschicken, steht auf einem anderen Blatt. Denn Zerwürfnisse auf persönlicher Ebene ziehen sich wie ein roter Faden durch Schmadtkes Karriere. In Hannover überwarf er sich nach überaus erfolgreichen Jahren mit Trainer Mirko Slomka, in Köln redeten der Manager und Coach Peter Stöger nach dem sensationellen Einzug in den Europapokal nur noch das Nötigste. In der Folgesaison wurden kurz nacheinander beide beurlaubt – und der FC stieg kläglich ab.

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