Kommentar

Fehler im System

Archivartikel

Stefan Proetel zur Vergabepraxis bei der Wertstofftonne

Wer das günstigste Angebot auf den Tisch legt, erhält den Zuschlag: So denkbar einfach ist der Wettbewerb der Entsorgungsfirmen in Deutschland. Die Firma Knettenbrech und Gurdulic hat offensichtlich mit entsprechend spitzer Feder gerechnet – jedenfalls darf sie auch in den kommenden drei Jahren den größten Teil der Mannheimer Wertstofftonnen leeren. Wer sich gut erinnern kann und die aktuelle, durch eine Krankenmisere kurz vor Weihnachten verursachte Situation, als Maßstab nimmt, wird dies als schlechte Nachricht einstufen. Ja, die nicht geleerten Tonnen sind für jeden Betroffenen ärgerlich. Und ja, die Probleme nach Einführung der Wertstofftonne im Januar 2017 taugen noch heute als sehr dankbares Aufregerthema.

Nur muss man aber auch feststellen, dass das Leeren der Wertstofftonne seit langem ordentlich funktioniert. Das zeigen auch die Zufriedenheitswerte mit der Wertstofftonne von 74 Prozent im „MM“-Bürgerbarometer aus dem Frühjahr 2019. Dass sich fünf Mitarbeiter auf einmal krankmelden, ist Pech. Und es ist logisch, dass ausgerechnet die Firma, die mit dem günstigsten Angebot den Auftrag bekommen hat, einen solch massiven Ausfall nicht kompensieren kann. Die „Wer macht’s noch billiger?“-Strategie ist ein Fehler im System.

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