Kommentar

Fehlgriff im Tor

Christian Rotter zur WM-Ausgangslage des DEB-Teams

 

Wenn es im Sport ums Eingemachte geht, greifen die Nordamerikaner zu einem genauso prägnanten wie eingängigen Slogan: „Do or Die“. Frei übersetzt heißt dieses Motto, das bei der Eishockey-WM auch für die deutsche Nationalmannschaft gilt: Tu es – oder stirb!

Die Mannschaft von Trainer Marco Sturm hat gar keine andere Wahl als zu siegen. Diese Drucksituation ist nicht nur den besonderen Umständen nach dem Olympia-Coup von Pyeongchang geschuldet, sondern hat sich das DEB-Team auch zu einem guten Teil selbst eingebrockt.

Klar, die Ausgangslage vor der WM war nicht rosig: Einige Olympia-Helden wie Mannheims Routinier Marcel Goc waren nach dem größten Erfolg in ihrer Karriere aus der Nationalmannschaft zurückgetreten, andere mussten nach einer kräftezehrenden Saison verletzungsbedingt absagen, wieder andere gaben wichtige persönliche Gründe an: Das Team, das in Dänemark auf dem Eis steht, hat mit der Silbermannschaft nichts gemein.

Draisaitl von Anfang an dabei

Das Viertelfinale blieb dennoch kein utopisches, sondern ein durchaus realistisches Ziel. Im Gegensatz zur Heim-WM 2017 stand NHL-Star Leon Draisaitl Deutschland bereits in der Vorbereitung zur Verfügung, zudem verstärkten die Nordamerika-Profis Dennis Seidenberg und Korbinian Holzer das Team.

Dass nun das große Zittern angesagt ist und das DEB-Team wohl nicht nur Lettland schlagen, sondern auch gegen eine Topnation wie die USA oder Finnland punkten muss, um in die K.o.-Runde einzuziehen, ist auch das Resultat einer von Sturms wenigen Fehlentscheidungen.

Vor allem bei der Niederlage gegen Norwegen patzte Torhüter Timo Pielmeier entscheidend. Der Bundestrainer brachte den schon in der DEL-Saison besseren Niklas Treutle sehr spät – wahrscheinlich sogar zu spät.

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