Kommentar

Flexibilität als Chance

Madeleine Bierlein über Regelungen zur Arbeitszeit

 

Keine Frage. Die Digitalisierung ist dabei, die Arbeitswelt auf den Kopf zu stellen. Modelle, die sich in der Vergangenheit bewährt haben, sind den neuen Anforderungen oft nicht mehr gewachsen. Dazu gehört auch der rigide Acht-Stunden-Tag.

Eine Abkehr vom Status quo birgt durchaus Gefahren für den Arbeitnehmerschutz. Da haben die Gewerkschafter recht. Sie täten trotzdem gut daran, neben den Risiken auch die Chancen zu sehen - und zu gestalten. Denn Flexibilität bedeutet nicht nur, dass der Arbeitstag zu Spitzenzeiten einmal länger dauern kann. Sie betrifft ebenso den Ort der Arbeit. Das Büro zuhause ("Home Office") wird in einer immer digitaleren Welt zur echten Alternative. Das dürfte zum Beispiel Eltern deutlich stärker entgegenkommen als ein strikter 9-bis-17-Uhr-Job. Auch flexible Lebensarbeitszeitkonten bieten viele Vorteile - und ermöglichen, etwa zur Pflege von Verwandten kürzerzutreten.

Es liegt mit an den Gewerkschaften, die neuen Rahmenbedingungen arbeitnehmerfreundlich zu gestalten. In Zeiten des Fachkräftemangels dürfte das befürchtete Auspressen der Mitarbeiter sowieso immer schwerer fallen. Der Wettbewerb um die Köpfe läuft zunehmend über das Arbeitsumfeld - wozu auch inter-essante Zeitmodelle gehören.

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