Kommentar

Flexibilität erhalten!

Wolfgang Mulke lehnt Reservierungspflicht bei der Bahn ab

Einer der größten Vorzüge der Bahn ist der freie Zugang zu allen Zügen. In anderen Ländern ist eine Reservierung Pflicht. Dort findet zwar jeder Passagier einen Sitzplatz. Doch die Zugbindung entspricht nicht den Bedürfnissen vieler Reisender. Sie wollen entweder spontan einsteigen, können unerwartet früher starten oder müssen auf eine spätere Verbindung ausweichen. Dieser Vorzug zählt mehr als der Ärger über eine bisweilen erdrückende Enge in den Waggons. Wer rechtzeitig einen Platz reserviert, kann sich ja in der Regel eines Sitzes sicher sein.

Eine Reservierungspflicht widerspräche zudem dem langfristigen Ziel eines Deutschlandtaktes. Die stündlichen oder gar halbstündlichen Verbindungen mit direkten Anschlüssen sollen den Umstieg auf die Bahn befördern. Die Kunden können jederzeit zum Bahnhof gehen. Sie wissen ja, dass sie spätestens in einer Stunde loskommen.

Eine Reservierungspflicht stünde im krassen Gegensatz zu dieser Flexibilität. Gegen die momentane Schwäche der Bahn hilft nur eine massive Aufrüstung an Material und Personal. Beides ist im Gange, leider jedoch nicht über Nacht wirksam. Erst nach und nach wird sich die Situation entspannen. Kunden, die auf leere Züge wert legen, haben auch die Möglichkeit, auf ein Ticket für eine nicht so beliebte Verbindung auszuweichen. Als Trost winken Sparpreise.

Gelegentlich wird auch eine stärkere Steuerung der Auslastung der ICE, etwa am Freitagnachmittag, gefordert. Das Argument ist trügerisch, bedeutet es doch nichts anderes als eine Verteuerung der Fahrten zu diesen Zeiten. Teurer darf die Bahn jedoch nicht werden, wenn sie Lokomotive der Verkehrswende werden will.