Kommentar

Flicks Chance

Alexander Müller zum Interimstrainer des FC Bayern

Nach den internen Grabenkämpfen, die zu seinem hastigen Abschied als Hoffenheimer Geschäftsführer führten, sehnte sich Hansi Flick zurück auf den Trainingsplatz. Statt wie geplant als pragmatischer Ratgeber aus der zweiten Reihe zu agieren – wie er es jahrelang in der Nationalmannschaft an der Seite von Bundestrainer Joachim Löw praktizierte – ist der Heidelberger beim FC Bayern nun als Kurzzeit-Krisenmanager im grellen Scheinwerferlicht gefordert.

Flicks Anforderungsprofil ist klar umrissen. Bis die Bayern-Bosse einen neuen Trainer gefunden haben, muss der 54-Jährige einen Weg finden, die schlingernde Mannschaft zu stabilisieren, um gegen Piräus, Dortmund und in den möglicherweise noch folgenden weiteren Partien die für die Aufrechterhaltung der Saisonziele notwendigen Ergebnisse zu erzielen. Das nennt man klassische Schadensbegrenzung.

Die Aufgabe klingt kompliziert – zumindest wenn man den fußballerischen Zusammenbruch der Münchner beim 1:5 in Frankfurt als Maßstab nimmt. Aber die Situation bietet auch eine Chance für Flick: Das Kovac-Alibi ist für die Bayern-Stars seit Sonntagabend entfallen, die Mannschaft muss – wie es im Fußballer-Neudeutsch heißt – jetzt liefern. Welch positive Kräfte der Neustart nach einer Trainer-Entlassung freisetzen kann, dafür gibt es unzählige Beispiele. Und beim FC Bayern, das ist eine die Arbeit erleichternder Tatsache, stimmt die individuelle Qualität.

Flick hat so oder so nichts zu verlieren. Selbst wenn das Top-Spiel am Samstag gegen den BVB verloren gehen sollte, wird er nur als Opfer widriger Umstände und nicht als Verantwortlicher der Münchner Misere gelten.

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