Kommentar

Frage der Vernunft

Archivartikel

 

Man stelle sich vor, der heiße Kaffee zum Mitnehmen wird nur noch ausgeschenkt, wenn der Kunde einen eigenen Becher dafür mitbringt. Vielleicht wäre es das Ende des Trends „to go“, weil das Kaffeetrinken damit zu unbequem würde.

Augenfällig ist der wachsende Müllberg, der sich aus Faulheit oder Unachtsamkeit in Straßen und Parks auftürmt und die städtischen Entsorgungsbetriebe vor große Herausforderungen stellt. Ein Verbot von Einweggeschirr ist sicher zwecklos. Daher bleiben zwei Ansätze zur Lösung des Problems. Der erste kostet wenig. Es geht darum, für mehr Sensibilität im Umgang mit dem Abfall zu sorgen, zum Beispiel durch Aufklärungskampagnen, die nicht als erzieherische Strafmaßnahme daherkommen und so Trotzreaktionen hervorrufen.

Erfahrungen aus einzelnen Städten zeigen, dass dies ganz gut funktioniert. Nur befördert diese Strategie eher die ordnungsgemäße Entsorgung der Hinterlassenschaften von Essen und Trinken, nicht jedoch eine Vermeidung des Abfalls. Deshalb ist ein zweiter Ansatz vonnöten.

Die Hersteller und jene, die Papp- oder Plastikbecher und -teller ausgeben, sollten über eine Abgabe zum Umdenken gebracht werden. Denn es geht nicht nur um die Sauberkeit einer Kommune. Es geht auch um einen wachsenden Verbrauch wertvoller Rohstoffe allein für die Bequemlichkeit der Konsumenten.

Man muss kein Fachexperte sein, um die Unvernunft darin zu erkennen. Für Kunststoffe gilt dies erst recht. Die Welt verbraucht zu viel davon. Die Folgen für die Natur werden erkennbar bald auch Folgen für den Menschen nach sich ziehen, spätestens, wenn Mikroplastik in die Nahrungskette gelangt.

Zwei so grundverschiedene Politiker wie der deutsche EU-Kommissar Günter Oettinger (CDU) und Grünen-Chef Robert Habeck fordern eine Plastiksteuer. Eine Abgabe wäre für niemanden angenehm, doch ist sie als Steuerungsinstrument über kurz oder lang unverzichtbar. Zum Erhalt einer lebenswerten Umwelt gehört eben leider auch, dass die Vernunft mitunter vor der Bequemlichkeit stehen muss.

Eine Abgabe auf Pappgeschirr könnte ebenfalls einen beträchtlichen Effekt mit sich bringen. Wer den „Kaffee to go“ weiter genießen will, der kann höhere Kosten vermeiden, indem das Getränk in einen mitgebrachten Becher gefüllt wird.

Das Prinzip funktioniert, wie ein Beispiel aus der Vergangenheit zeigt. Mit dem Pfand auf Dosen verschwanden die Weißblechbehälter schnell aus dem Abfallberg. Es hat keinem Kunden die Lust auf Bier oder Brause verdorben. Sie griffen nur zur Flasche. So dürfte es auch bei den umstrittenen Pappbechern sein. Den Kaffeegenuss wird sich niemand nehmen lassen, bloß weil er etwas unbequemer werden könnte.

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