Kommentar

Frage des Anstands

Archivartikel

Bettina Eschbacher zum Aufsichtsrat von Bilfinger

Streng formal mögen die beiden Aufsichtsratsmandate von Eckhard Cordes bei Bilfinger und WMP Eurocom ja korrekt gewesen sein. Auch die Vorgaben des Kodex für gute Unternehmensführung wurden offenbar erfüllt, weil die Aufsichtsratskollegen nach Konzernangaben über die Beratung Roland Kochs informiert waren. Dass das Kontrollgremium darin keinen Interessenkonflikt gesehen hat, ist trotzdem unverständlich.

Das Verfahren um die Schadenersatzansprüche gegenüber früheren Vorständen hat für viele Schlagzielen gesorgt, weil mit Roland Koch eine prominente Reizfigur betroffen war. Deshalb wäre es gerade in diesem sensiblen Prozess besonders wichtig gewesen, Fingerspitzengefühl zu zeigen.

Es ist außerdem eine Frage des Anstands für Spitzenmanager, allein schon den Verdacht eines Interessenkonflikts zu vermeiden. In diesem Fall wäre es doch so einfach gewesen: Eckhard Cordes hätte sein Mandat bei der Kommunikationsagentur so lange ruhen lassen können, wie Roland Koch sich von WMP Eurocom beraten ließ.

Cordes muss sich bei der nächsten Hauptversammlung auf sehr kritische Fragen der Aktionäre einstellen.

 
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