Kommentar

Fragwürdige Erkenntnisse

Archivartikel

Rolf Obertreis zum Stresstest der Banken

Monatelang haben sich die Aufseher durch die Bilanzen von knapp 50 europäische Banken gewälzt. Der Aufwand für die Analyse war erheblich. Der Wirbel, den die Aufseher veranstaltet haben, ebenso. Trotzdem sind die Erkenntnisse überschaubar. Keine Bank ist durchgefallen, das stand vorher fest. Auch keine in Italien, wo die Lage aktuell doch so kritisch ist – und wo faule Kredite in Milliardenhöhe in den Büchern stehen.

Fragen zur Sinnhaftigkeit der teuren und aufwendigen Übung sind berechtigt. Allein schon deshalb, weil das zugrunde gelegte Stress-Szenario einem Weltuntergangsszenario gleichkommt. Und weil es Ausnahmeregelungen gab, die eher kritische Banken entlasten. Wie etwa die italienischen. Experten sprechen von „Sandkastenspielen“ der Aufseher und Regulierer. Zumal die Öffentlichkeit nicht erfährt, welche Institute aufgrund bedenklicher Ergebnisse nachbessern müssen.

Schließlich sind da noch Erfahrungen aus vergangenen Stresstests: Banken, die im Test gut und sehr gut abschnitten, standen ein Jahr später vor dem Zusammenbruch, wurden zerschlagen oder durch die Übernahme durch ein anderes Institut gerettet. Strenge Bankenaufsicht ist nach den bedenklichen Erfahrungen der Finanzkrise wichtig. Realistisch sollte sie trotzdem sein. Mit Blick auf den deutschen Bankensektor bietet der Stresstest ohnehin nur einen Ausschnitt: Sparkassen und Volksbanken bleiben bei der Analyse außen vor.