Kommentar

Fragwürdiges Umfeld

Archivartikel

Birgit Holzer zur Affäre um Macrons Sicherheitsberater

 

Emmanuel Macron ist für seine weit ausholenden, feierlichen Reden bekannt, aber auch für legere Flapsigkeiten, die er am Rande offizieller Termine manchmal von sich gibt. Umso mehr fällt es auf, wenn sich der französische Präsident, der sonst nie um Worte verlegen ist, konsequent ausschweigt über die Affäre um das Fehlverhalten seines bisherigen Sicherheits-Sonderbeauftragten Alexandre Benalla.

Macron selbst folgt damit wohl der Maxime, dass er als Staatschef die großen Linien der Politik vorgibt und sich zu einzelnen Vorfällen nicht äußert. Doch lange dürfte er diese Position nicht mehr halten können – zu groß sind die Unruhe im Land und das Unverständnis über seine Nicht-Reaktion zu fragwürdigen Vorgängen in seinem unmittelbaren Umfeld. Denn bei Benalla handelt es sich um einen Mann aus Macrons näherem Umfeld, der ihn seit mehr als einem Jahr bei vielen wichtigen Terminen begleitet hat.

Aber Benalla überschätzte eben auch seine eigenen Kompetenzen, indem er die Rolle des Polizisten annahm, der er nicht war, geschützt von ganz oben. Und plötzlich steht auch Macrons Funktionsweise in Frage, der sich mit einem kleinen Kreis von Getreuen umgibt, die bedingungslos zu ihm halten und damit ein enges Netzwerk bilden. Doch die Mängel eines dieser Er-gebenen waren ihm entgangen. Frankreich wartet jetzt auf eine Reaktion des sonst so reaktiven Macron.