Kommentar

Frank und frei

Alexander Müller zu den Aussagen des Werder-Managers

 

Worthülsen, Floskeln und die ewig gleichen Sprüche - wer in Interviews mit Fußballern nach Substanz sucht, verzweifelt häufig. In der Fähigkeit, mit vielen Sätzen praktisch nichts zu sagen, stehen manche Kicker dem schlimmsten Politiker-Blabla schon in nichts nach. Man könnte es deshalb entwaffnend ehrlich finden, wenn Bremens Manager Frank Baumann frank und frei erzählt, der kürzlich zum Trainer bis Weihnachten beförderte Florian Kohfeldt sei nicht die erste Wahl gewesen, es habe "bessere Möglichkeiten" gegeben. In Wahrheit sind diese Aussagen allerdings einfach nur dämlich.

Baumann legt dem jungen Coach völlig ohne Not noch ein paar schwere Steine extra in den ohnehin schon recht vollen grün-weißen Rucksack. Denn was Kohfeldt bräuchte, wäre öffentliche Rückendeckung und Unterstützung, um Werder wieder aus dem Keller zu bringen. Getreu dem Motto: Wir ziehen jetzt alle an einem Strang. Sein Manager hat stattdessen eine überflüssige Diskussion losgetreten, an deren Ende Kohfeldt als Notnagel dasteht, der seinen Job nur den Absagen prominenterer Namen zu verdanken hat.

Kein guter Start für den neuen SVW-Coach, der ganz nebenbei bei seinem Debüt in Frankfurt den Eindruck hinterließ, dass er durchaus die Fähigkeiten besitzt, diese tief im Keller feststeckende Mannschaft zu reanimieren. Und der in seinen Analysen, im Gegensatz zu manchem älteren Kollegen, nicht Floskel an Floskel reiht.