Kommentar

Lisa Wazulin über Hygiene-Maßnahmen in der Lupinenstraße

Freier in die Pflicht nehmen

Intim sein mit Maske? Was absurd klingt mit Blick auf steigende Infektionszahlen in Mannheim, ist seit Montag offiziell erlaubt – Prostituierte dürfen wieder Sex mit Kunden haben, der Betrieb in der Lupinenstraße läuft bereits. Das hat den Vorteil, dass sich hier Infektionsketten leichter nachverfolgen lassen, durch Kontrollen auf Hygiene geachtet wird.

Auch Freier müssen ihre Kontaktdaten hinterlassen, werden mit in die Pflicht genommen. Bislang war das überhaupt nicht der Fall, weil Frauen illegal und unbeobachtet ihre Dienste in Kneipen oder auf Spielplätzen angeboten haben. Das tun die meisten von ihnen nicht freiwillig. Zu Recht warnt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Zahra Deilami, davor, zu früh ein Sexkaufverbot einzusetzen, solange es keine Auffangmöglichkeiten für die Betroffenen gibt. Sie sind in einer Abhängigkeitsspirale gefangen – in ihrer Verzweiflung nehmen sie sogar eine Corona-Infektion in Kauf, um über die Runden zu kommen. Stadt und Beratungsstellen arbeiten schon Hand in Hand. Trotzdem erreichen Hilfsangebote nur die legalen Prostituierten. Der Rest, der unter Zwang und mit geringem Bildungsstand arbeitet, bleibt außer Reichweite. Um das zu ändern, könnten laut Deilami passgenaue Qualifizierungsprogramme, Anreize und das Aufzeigen von Einkommensalternativen den Weg für ein Sexkaufverbot nach Nordischem Modell ebnen. Das richtet den Fokus auf die Nachfrageseite, die Freier, statt Prostituierte zu kriminalisieren.

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