Kommentar

Freier Markt für Innovation

Archivartikel

Joana Rettig zum Wettlauf in der Impfstoff-Entwicklung

Im Rennen um die Herstellung eines Corona-Impfstoffes gibt es nun ganz offiziell einen neuen Sprinter. Curevac hat als zweites deutsches Unternehmen die Zulassung für klinische Studien mit seinem Wirkstoff-Kandidaten bekommen. Biontech aus Mainz war als erster deutscher Spieler am Zug. Im September könnte das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (Braunschweig) folgen. An der viel kritisierten Kapitalisierung von Pharmazeutika lässt sich also auch etwas Gutes ableiten: Der Wettbewerb schafft Anreize für Unternehmen, intensiver zu forschen, schließlich wollen sie Geld verdienen – und zwar am liebsten mehr als die Konkurrenz.

Das wiederum wirkt sich positiv auf die Eindämmung des Virus aus. Je schneller ein Impfstoff da ist, desto besser ist das für die Gesellschaft – wirtschaftlich, sozial, gesundheitlich. Was aber, wenn der Wettbewerb verzerrt wird? Wenn der Staat in die Marktwirtschaft eingreift? Für die jetzige Situation mag das hilfreich sein. Richtungsweisend ist es allemal, dass in der Pandemie Unternehmen gefördert werden, die dieser Krise möglicherweise ein Ende bereiten könnten.

Ausgewählte Superstars

Aber was passiert danach? Was, wenn sich der Staat auch künftig die (seiner Ansicht nach) Champions herauspickt und sich Anteile sichert? Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) wollte sich stets als Verfechter der Marktwirtschaft positionieren – jetzt macht er das Gegenteil: Er setzt auf die steuernde Hand des Staates. Mit einem Beteiligungsfonds kann der Bund auch künftig investieren – in die von ihm ausgewählten Superstars. Innovation fördert er nur dort, wo Altmaier eine Chance sieht. Kleine Firmen, die vielleicht ähnlich helle Köpfe in ihren Reihen haben, werden außen vor gelassen.

Zusätzlich will Altmaier heimische Firmen vor Käufern aus dem Ausland „schützen“, und damit deutsches Know-how hier behalten. Das Ziel ist nicht negativ zu bewerten. Das Wie entscheidet aber. Die Regeln für Auslandsbeteiligungen an europäischen Firmen werden jetzt verschärft. Freier, globalisierter Markt geht anders. Kein Wunder also, dass der CDU-Wirtschaftsrat bei der Curevac-Beteiligung gegensteuert – und von Altmaier ein Ausstiegskonzept fordert. Damit die Marktwirtschaft erhalten bleibt.