Kommentar

Freunde werde Fremde

Archivartikel

Hagen Strauß bewertet das Treffen von Angela Merkel und Benjamin Netanjahu: Die Staatschefs agieren völlig gegensätzlich

 

Echte Freunde werden Angela Merkel und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wohl nicht mehr. Das war nach dem Treffen der beiden Politiker im Berliner Kanzleramt unüberhörbar. Es gebe nicht in allen Punkten Übereinstimmungen, so die Kanzlerin. Wohl wahr.

Während sich Netanjahu mit jubelndem Nachdruck hinter US-Präsident Donald Trump und dessen Iran-Politik stellt, befindet sich Merkel im Lager derjenigen, die am Atomabkommen unbedingt festhalten wollen. Da gibt es keine Kompromisslinie, keinen Mittelweg. Ein solcher Riss lässt sich nicht kitten. Das hat sich gestern daran gezeigt, wie intensiv Netanjahu über die „iranische Aggression“ referiert hat. Merkel hat zwar Verständnis für die berechtigten Sorgen Israels, glaubt aber dennoch, in der Iran-Frage auf der richtigeren Seite zu sein. Und das stimmt auch. Zum Iran-Konflikt gesellt sich noch etwas Grundsätzliches, was Merkel und Netanjahu unterscheidet. Man könnte auch sagen: Taube traf Falke.

Die Kanzlerin versucht, die alte kooperative Weltordnung zu retten und behutsam den immer neuen internationalen Konfrontationen mit dem Mittel des Dialogs entgegenzutreten; Netanjahus Politik im Nahen Osten und speziell gegenüber den Palästinensern basiert auf einem gegenteiligen Ansatz: Er setzt auf Abschreckung durch Konfrontation und Stärke. Dabei scheut der Israeli auch nicht den Einsatz militärischer Mittel. Die Entfremdung der deutschen und der israelischen Regierung ist durch diesen Grundkonflikt so groß wie schon lange nicht mehr.

Zum Thema