Kommentar

Frühe Absage der Fasnacht war fair und weitblickend

Archivartikel

Er wurde angefeindet, von einem „Diktat“ war die Rede und einer „lapidaren Absage“. Thomas Dörner, Präsident der Mannheimer Karnevalskommission, bekam im Juni einigen Unmut ab. Dabei hatten er und die Vertreter der sieben federführenden Karnevalsvereine nur etwas höchst Vernünftiges formuliert: Fasnacht wird 2020/21 wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden können.

Das so rechtzeitig zu sagen, war fair – für die Mitwirkenden, für das Publikum und alle anderen, die sonst meist spätestens ab Sommer Tänze einstudieren, Texte schreiben, mit Proben beginnen. Zwar gab es im Sommer noch Zweckoptimisten, die glaubten, in ein paar Monaten sehe die Welt anders aus und vielleicht gehe ja doch etwas. Aber die frühzeitige Absage der Karnevalskommission war damals völlig richtig und erweist sich heute, mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen, als weitsichtig und verantwortungsbewusst.

Auch außerhalb Mannheims, in den Hochburgen im Rheinland wie bei den Hästrägern im Alemannischen, ließen einige Funktionäre mit der Einsicht in das Unvermeidliche lange, teils zu lange auf sich warten. Eine Online-Umfrage in Mainz im September öffnete dann aber manchem Narr die Augen: Von rund 10 000 Fasnachtsinteressierten wollten nicht einmal 20 Prozent an Prunksitzungen teilnehmen – wegen Corona.

Das ist verständlich. Fasnacht bedeutet, miteinander zu feiern. Dazu gehören Musik, gemeinsames Schunkeln und Singen. Ohne Nähe ist das alles undenkbar oder es wirkt völlig steril – mit Nähe wäre es, solange Ansteckung durch das gefährliche Coronavirus droht, unverantwortlich. Das geht eben derzeit einfach nicht.

Aber Freude und Frohsinn brauchen die Menschen schon in Zeiten der Pandemie, die so viele schlechte Nachrichten mit sich bringt. Auch wenn Prunksitzungen und Maskenbälle ausfallen müssen, es keine Fasnachtszüge geben darf und kann – einfach gar nichts zu tun, das ist keine Lösung. Wer sonst vor Kreativität sprüht und darauf verweist, dass ihm die Traditionspflege so wichtig ist, sollte sich trotz abgesagter Kampagne nicht ganz (in den Schmollwinkel?) zurückziehen. Natürlich ist es schwer, Aktive zu motivieren, wenn keine großen Auftritte möglich sind. Natürlich fallen Vorbereitungen aufgrund der Abstandsregeln schwer. Aber viele schöne Einfälle von Kirchengemeinden und Kindergärten als Ersatz für die heutigen Martinszüge zeigen: Ein bisschen was geht immer. Umso mehr weckt man Vorfreude auf die Kampagne 2021/22.

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