Kommentar

Für das Leben lernen

Manfred Loimeier würdigt die Impulse der Waldorfschulen

Selten waren die Waldorfschulen so wichtig wie heute. Und das meint nicht nur die Schulen, sondern auch die Kindergärten und Tagesstätten in freier Trägerschaft der Waldorfvereine – genauso wie ihre Bildungseinrichtungen zur Förderung von Schülern mit Lernschwierigkeiten oder dem gemeinsamen Lernen von Menschen mit und ohne Behinderung, wie es auch in Mannheim geschieht.

Dieses ganzheitliche Angebot an Schulen und Betreuung für das Erwachsenwerden von Kindern und Jugendlichen verringert die Brüche, die es sonst bei Übergängen etwa von der Grundschule zu fortführenden Schulen gibt, und trägt so der Tatsache Rechnung, dass die Entwicklung eines Menschen und seine Persönlichkeitsbildung mehr sind als die immer wieder nur begrenzte Phase eines Ausbildungsabschnitts.

Apropos Ganzheitlichkeit: Es verwundert nicht, dass das Konzept der Waldorfschulen derzeit im Trend liegt und momentan in den USA höchst nachgefragt ist. Das hat vielleicht weniger mit einer eventuellen Überforderung staatlicher Bildungseinrichtungen zu tun, sondern vielmehr damit, dass ergänzend zu den virtuellen Welten gerade eine Neubesinnung auf die „wirkliche Wirklichkeit“ erfolgt. Ein Baum in echt, der riecht und raschelt und angefasst werden kann, ist ein sinnliches Erlebnis, eine mitunter seltene Erfahrung. Kein Wunder, dass diese konkrete Lebenserfahrung im Kurs steigt.

Sicher, eine Schule ist nur so gut wie ihre Lehrer. Die Impulse aber, die von der Waldorfpädagogik ausgingen und ausgehen, prägen seit langem auch den sogenannten herkömmlichen Unterricht. Sei es das Lernen in Gruppen, sei es die mehrwöchige Konzentration auf Inhalte oder aber die Verknüpfung von handwerklicher Lehre und schulischem Lernen – wer etwas über das Lernen lernen will, kann von der Waldorfpädagogik profitieren.

Deshalb ist es wichtig, die Konzepte der Waldorfschulen fortlaufend interessiert zu verfolgen und sie dem augenblicklichen Bedarf anzupassen – und zwar durchaus so kritisch wie bisher.