Kommentar

Für die Zukunft lernen

Archivartikel

Anika Pfisterer hält den Schaden für überschaubar, der durch die Probleme bei der Corona-App entstanden ist

Der Aufschrei ist groß: Die Corona-App meldet Infektionen im Hintergrundmodus nicht so zuverlässig wie versprochen. Inzwischen sind die Fehler behoben. Seit Samstag können auch Besitzer von Apple-Geräten ihrer App wieder trauen.

Dennoch muss sich ein Vorzeigeprojekt, als das die deutsche Corona-App stilisiert wurde, an seinem eigenen Anspruch messen lassen. „Ich bin ziemlich überzeugt: Es ist die beste“, sagte Kanzleramtsminister Helge Braun bei der Präsentation der App in Bezug auf Anwendungen in anderen Ländern.

20 Millionen flossen in die Entwicklung, 70 Millionen sind für den Betrieb angesetzt. Insofern ja, die Kritik muss die Bundesregierung sich nun gefallen lassen, zumal es schon die zweite ist seit ihrem Start: Anfangs war die App nicht kompatibel mit den Geräten zahlreicher Nutzungswilliger. Und dennoch – das Ausmaß des diesmal entstandenen Schadens ist wohl weniger dramatisch, als es der Aufschrei vermuten lässt. Anfang Juli gab Gesundheitsminister Jens Spahn bekannt, dass rund 300 Infektionen per Corona-Warn-App gemeldet wurden. Auch in der Region gab es nur wenige Warnmeldungen über Corona-Apps, wie die Gesundheitsämter mitteilten. Keine dieser Warnungen ging mit einem positiven Test einher.

Von der App versprach man sich eine Abkürzung. Sie ersetzt nicht die gesetzlichen Meldewege, kann aber Nutzer schon warnen, noch bevor das Gesundheitsamt anruft. Genau dieser Vorteil konnte wegen der Fehler nicht genutzt werden – es sei denn betroffene Nutzer hatten ihre App regelmäßig geöffnet. Der Warnschuss kam noch vor einer möglichen zweiten Infektionswelle. Die Entwickler sollten ihre Lektion gelernt haben. Bei SAP heißt es, man intensiviere die Testprozesse. Und wenn nicht jetzt, wann dann?